| Regionen | Rheintal | Freitag, 31. Oktober 2003 | |||||||
Widnau. Beim Theaterstück «Pubertät ist, wenn
Eltern schwierig werden», hat das Publikum die Möglichkeit, selber in eine
Rolle zu schlüpfen. So könnten Erzieher nächsten Mittwoch ab 19.30 Uhr im
Jakobihus in Widnau wieder zu Jugendlichen werden ... Reto Wälter «Ich will heute Abend bis Mitternacht in den
Ausgang, schliesslich dürfen meine Kollegen bis zwei Uhr wegbleiben.» Die
Ausgangsdiskussion: Ein Klassiker unter den Konfliktsituationen zwischen
Eltern und Jugendlichen. Solche und andere alltäglichen Themen zwischen
Erziehungspersonen und Jugendlichen werden von der Theatergruppe IVO,
Improvisation vor Ort, nächsten Mittwoch im Jakobihus vorgespielt. In Zweiergruppen wird anschliessend über die
einzelnen Szenen diskutiert. Dann werden die Stücke nochmals gespielt. Der
Zuschauer kann jetzt aber der Situation eine neue Wendung geben, indem er
mit einem Stoppruf auf sich aufmerksam macht und auf der Bühne den Platz
des Schauspielers einnimmt, der seiner Meinung nach nicht ideal handelt.
Damit die Interaktion zwischen Publikum und Schauspielern erhalten bleibt,
wird Verena Gauthier-Furrer den Anlass als Moderatorin leiten. Sie ist die
Firmeninhaberin von Impuls, der Fachstelle für soziale Animation und
bietet interaktive Theater auch in anderen Bereichen an: «Es ist eine
Form, wie man Gemeinschaften aller Altersstufen zu eigenen Lösungsansätzen
führen kann.» Diese Theaterform soll ermuntern, auch im Leben selber aktiv
zu werden, denn dies sei immer der bessere Weg als passiv zu bleiben. Die seit einem Jahr bestehende Widnauer
Jugendkommission, kurz Juko, hat diese Aufführung seit längerem geplant.
Thomas Widmer, Presseverantwortlicher der Juko, erklärt: «Wir wollen
Jugendlichen und Eltern einen echten Mehrwert bieten. Wollen, dass
miteinander geredet wird, bevor Situationen ausser Kontrolle geraten.» Bei
der Evaluation von Möglichkeiten sei ihnen diese Theaterform aufgefallen.
Nicht zuletzt auch darum, weil es sich um einen nicht alltäglichen Anlass
handle. Entstanden ist das interaktive Theater in
Brasilien. Augusto Boal versuchte damit die analphabetische Bevölkerung zu
ermuntern, von den demokratischen Rechten Gebrauch zu machen und selber zu
politisieren. Sein Erfolg war so gross, dass er vom Regime verfolgt wurde
und als politischer Flüchtling nach Europa auswandern musste. Auf dem
alten Kontinent fiel diese Art von interaktiver Kommunikation auf
fruchtbaren Boden und verbreitete sich schnell. Verena Gauthier-Furrer
lernte dabei vom Begründer selber grundlegende Techniken. Die Aufführung findet am Mittwoch, 5.
November, um 19.30 Uhr im Jakobihus in Widnau statt. Weitere Infos
unter: www.impuls-interactiv.ch und www.jugendinfo-widnau.ch Die Veranstaltung ist zwar auf Eltern,
Lehrkräfte und Erzieher mit Kindern in der Pubertät ausgerichtet. Aber
Jugendliche sind auch willkommen. Thomas Widmer, Jugendkommission Widnau |
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