| Regionen | Rheintal | Freitag, 7. November 2003 | |||||||
Welch eine Familienidylle! Widnau. Weder nachdenklich noch
niedergeschlagen verlassen die Frauen und Männer den Saal, vielmehr wird
in äusserst aufgeräumter Stimmung gelacht, gestikuliert und diskutiert.
Und so sind schon die vergangenen zwei Stunden verlaufen: schallendes
Gelächter, stummes Schweigen und Staunen sowie aufsteigender Ärger haben
sich dabei abgewechselt und dies in rasantem Tempo. Der Schauplatz? Ein
Familientisch mit Vater, Mutter, Sohn und Tochter im pubertierenden Alter
von 14 und 13 Jahren. Welch eine Idylle! Der Vater von der Arbeit als
selbständiger Treu- händer völlig gestresst, die gegen den Willen ihres
Ehegatten wieder als Teilzeitangestellte ar- beitende und ebenfalls
gestresste Ehefrau, der gelangweilte Sohn, der schlechte Noten nach Hause
bringt, und die stets kränkelnde Tochter, welche als Streberin gilt. Und
dann sind da noch eine Kollegin und ein Kollege des Sohnes, zwei total
coole Typen, die den Sohn stark beeindrucken und seine Schwester «fertig
machen». Gespielte Szenen? Ja, aber solche, die aus
dem realen Leben spielen und darlegen, was zuweilen in Familie, Schule und
Freizeit abgeht. Rollenbilder, in denen sich jeder im Saal wieder- findet,
sei dies als polternder Vater, der nie Zeit hat, als quengelnde Mutter,
als lustloser Sohn oder unterdrücktes Mäd- chen. Bilder, die selber
Erfahrenes wieder aufleben lassen, Bilder aber auch, die man auf der
Stelle verändern möchte. Und genau das ist an diesem ganz besonderen, von
der Jugendkommission Widnau organisierten Abend
im Jakobihus dank der interaktiven Darstellungsform (man nennt sie IVO
Improvisation vor Ort) möglich. Die sechs Schauspielerinnen und Schauspieler
können nämlich beliebig ausgetauscht werden und zwar durch das Publikum,
das die Chance beim Schopf packt und vor allem Mutter und Vater oft «aus
der Rolle» wirft (was man im richtigen Leben ja auch ab und zu gerne
täte). Gesprächsleiterin Verena Gau- thier-Furrer
von «Impuls - Fach- stelle für Soziale Animation» versteht es blendend,
die Gäste aus der Reserve und auf die Bühne zu locken. Spannend, wie das
Geschehen durch das Auswechseln einer der Personen am Familientisch oder
auf dem Schulhof sofort eine völlig andere Dynamik erlebt, spannend auch,
wie die Anwesenden darauf reagieren und «Chapeau!» vor jenen, die sich
mitten ins Szenario wagen. «Pubertät ist, wenn die Eltern schwierig
werden» - diese Veranstaltung der völlig anderen Art hat eingeschlagen,
und wie! (Irene De Cristofaro-Wipf) |
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